Notfallplan Epilepsie für Kita und Schule: das gehört hinein

Ratgeber Veröffentlicht am , aktualisiert am 3 Min. Lesezeit Fachliche Prüfung: in Vorbereitung

Ein epileptischer Anfall sieht für Unvorbereitete dramatisch aus. Wer aber weiß, was zu tun ist, kann ruhig und richtig handeln, und in den allermeisten Fällen ist der Anfall nach wenigen Minuten vorbei. Genau dafür gibt es den Notfallplan: Er verwandelt Angst in Handlungssicherheit. So baust du ihn für Kita oder Schule auf.

Die Gliederung: sechs Abschnitte, eine Seite

Ein guter Epilepsie-Notfallplan passt auf eine Seite und beantwortet der Reihe nach genau die Fragen, die sich Betreuende im Ernstfall stellen. Die medizinischen Inhalte stammen von eurer behandelnden Ärztin oder eurem Arzt, du bringst sie in eine Form, die im Stress funktioniert.

1. So sehen Anfälle bei diesem Kind aus. Epilepsie ist nicht gleich Epilepsie. Beschreibe die Anfallsformen deines Kindes konkret und beobachtbar: „Blick wird starr, reagiert nicht auf Ansprache, dauert meist unter einer Minute” oder „Sturz, Verkrampfen, rhythmische Zuckungen”. Wenn es Vorzeichen gibt, nenne sie.

2. Das ist während des Anfalls zu tun.

  • Ruhig bleiben, beim Kind bleiben, auf die Uhr schauen und die Dauer stoppen
  • Gefährliche Gegenstände wegräumen, Kopf weich lagern
  • Nichts festhalten, nichts in den Mund stecken, nichts einflößen
  • Andere Kinder wegführen lassen

3. Das ist nach dem Anfall zu tun. Stabile Seitenlage, wenn das Kind nicht ansprechbar ist. Beruhigen, ausruhen lassen, Eltern informieren. Viele Kinder sind danach erschöpft und schlafen.

4. Dann wird der Rettungsdienst (112) gerufen. Übernimm die Kriterien eurer Ärztin wörtlich. Übliche Orientierungspunkte: Anfall länger als etwa fünf Minuten, mehrere Anfälle hintereinander, Verletzung, Atemprobleme oder ein untypischer Verlauf.

5. Notfallmedikament. Falls verordnet: Name, Dosierung laut ärztlicher Anweisung, ab wann es gegeben wird, wie es angewendet wird und wo es liegt. Dazu gehört eine schriftliche Vereinbarung zur Medikamentengabe in der Kita, damit klar ist, wer geben darf und wer geschult wurde.

6. Kontakte und Stand. Eltern, Ersatzkontakt, behandelnde Praxis oder Ambulanz, Datum der letzten Aktualisierung.

Den Plan lebendig machen

Ein Plan im Ordner rettet niemanden. Drei Dinge machen den Unterschied:

  • Gemeinsam durchsprechen. Geh den Plan mit der Gruppenleitung einmal Punkt für Punkt durch. Viele Sorgen der Fachkräfte lösen sich in diesem Gespräch.
  • Alle erreichen, auch Vertretungen. Kläre mit der Leitung, wo der Plan liegt und wie neue oder vertretende Kräfte ihn kennenlernen. Genau an dieser Stelle scheitert es in der Praxis am häufigsten.
  • Aktuell halten. Jede Änderung der Medikation oder der 112-Kriterien muss sofort ankommen. Veraltete Kopien sind bei Epilepsie nicht nur lästig, sondern riskant.

Für die letzten beiden Punkte ist ein digitales Profil die robusteste Lösung: In InkluCard pflegst du den Notfallteil einmal, die Kita ruft ihn nach deiner Freigabe ab und sieht bei jedem Abruf den aktuellen Stand. Mehr zum Thema findest du auf unserer Seite Epilepsie und im Artikel Anfallsarten erkennen, richtig reagieren.

Was der Plan nicht leisten muss

Der Notfallplan ist kein Aufklärungsdokument über Epilepsie. Er muss nicht erklären, was im Gehirn passiert, welche Therapien es gibt oder wie die Prognose aussieht. Wenn das Team mehr wissen möchte: Die Deutsche Epilepsievereinigung und das Informationszentrum Epilepsie bieten gute, verständliche Materialien, auch speziell für Kitas und Schulen.

Quellen

  • Deutsche Epilepsievereinigung (Informationen und Materialien, auch für Kita und Schule)
  • Stiftung Michael (Informationszentrum Epilepsie, Broschüren für Pädagog:innen)
  • DGUV (Medikamentengabe und Versicherungsschutz in Kindertageseinrichtungen)
Häufige Fragen

Häufige Fragen

Darf eine Erzieherin das Notfallmedikament geben?

Ja, wenn es ärztlich verordnet ist, die Anwendung klar beschrieben wurde und eine schriftliche Vereinbarung zwischen Eltern, Kita und möglichst der Ärztin besteht. Die Gabe ist dann Teil der Betreuung und über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.

Wann muss bei einem Anfall der Rettungsdienst gerufen werden?

Die konkreten Kriterien legt eure Ärztin oder euer Arzt fest. Übliche Orientierungspunkte sind: ein Anfall dauert länger als etwa fünf Minuten, Anfälle folgen dicht aufeinander, das Kind verletzt sich oder es ist der erste Anfall überhaupt.

Muss die ganze Kita von der Epilepsie wissen?

Alle, die dein Kind beaufsichtigen, sollten den Notfallplan kennen, auch Vertretungen und die Küche bei Ausflügen. Details zur Krankengeschichte gehen dagegen niemanden etwas an. Der Plan enthält nur, was im Ernstfall zählt.

Was ist mit Schwimmen, Klettern und Ausflügen?

Pauschale Verbote sind selten nötig und schaden der Teilhabe. Kläre mit eurem Behandlungsteam, welche Aktivitäten mit welcher Aufsicht möglich sind, und halte genau das im Plan fest. Meist gilt: mitmachen ja, mit definierter Aufsicht.